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Dienstag, 7. April 2020
Montag, 26. September 2016
2. SPÄTI Biennale - Bilder & Kritik von Regine Schütz
Spät, aber doch, kommt hier ein Nachtrag zur wunderbaren 2.SPÄTI BIENNALE! Es war ein glorreicher Abend im Mariannenkiez!!! Die Menschen! Ihre Werke! Das Wetter! Die Braukunst & natürlich die großartigen Späti Betreiber_innen... DANKE an alle Beteiligten & die vielen Gäste!
Hier der Link zu einem Bericht von Regine Schütz: "KUNST FÜR ZU SPÄTI GEKOMMENE..." & einige Bilder:
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| Vor dem Video-Späti ©Regine Schütz |
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| Langsam wird es voll... ©Regine Schütz |
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| TAGE von Elisabeth R. Hager & Neele Hülcker im Klangkunst-Späti in der Waldemarstraße ©Regine Schütz |
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| Konzert-Späti Wrangelstr. 5 ©Regine Schütz |
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| Die "Waterbabies" in concert ©Regine Schütz |
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| Im Späti ©Regine Schütz |
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| Open Air Lesung mit Valentin Moritz, Saskia Trebing & Hannes Köhler auf dem Mariannenplatz ©Regine Schütz |
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| Kunst-Späti mit Bildern von Elke Vogl & Hörspielen von Fides Schopp und Claire Horst ©Regine Schütz |
Freitag, 2. September 2016
Die Programmhefte sind da!
Frisch aus der Druckerei: die Programmhefte für die 2. SPÄTI BIENNALE am 10.09.! Ab morgen auch in den teilnehmenden SPÄTIS! HurrAAA!
Sonntag, 28. August 2016
Das Programm der 2.SPÄTI BIENNALE ist da!
Knapp zwei Wochen noch, dann geht die 2. SPÄTI BIENNALE rund um den Kreuzberger Mariannenplatz über die Bühne! & hier das gesamte Programm auf einen Blick! Juhuu!
Dienstag, 16. August 2016
Donnerstag, 9. Juni 2016
Trampolissimo Schreibwerkstatt 2016: Jetzt Plätze reservieren!
Die Zeit, es hält sie niemand auf.
Die Zeit, es hält sie niemand auf.
Datum: 22. August 2016
Uhrzeit: 9:00 - 12:00 Uhr
Schreibwerkstatt für junge Menschen ab 8 Jahren mit der Autorin Elisabeth R. HagerMontag, 22. bis Mittwoch, 24. August 2016
jeweils von 9:00 bis 12:00 Uhr
Präsentation: Mittwoch, 24. August, 11:00 Uhr
In der diesjährigen Trampolissimo Schreibwerkstatt gehen wir schreibend einem Phänomen auf den Grund, das ungreifbar ist und uns doch ständig umgibt: der ZEIT. Sie rast, sie rinnt, sie kriecht, sie springt. Sie dreht sich im Kreis und bleibt stehen. Wie vergeht Zeit in einem Text? Wie macht man sie sichtbar? Wie hält man sie an? In der Schreibwerkstatt gehen die TeilnehmerInnen mit der Schriftstellerin Elisabeth R. Hager auf Zeitreise, in die Zukunft, die Vergangenheit und bis hinein ins Jetzt.
Bitte mitbringen: Jause, Schreibzeug und Spaß beim Schreiben und Lesen!
Ermäßigt: 45 €
Vollpreis: 45 €
Mittwoch, 1. Juni 2016
DER KNOCHEN - online nachhören
JETZT online nachhören....!
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Der Knochen
Von Elisabeth R. Hager
- Elisabeth R. Hager / ©privat
Auf einer Klassenfahrt nach Wien lässt Elisabeth in der Michaelergruft einen Knochen unbemerkt in ihrem Rucksack verschwinden. Viele Jahre bleibt der Knochen unentdeckt.
Als Elisabeth sich als Erwachsene wieder mit ihm beschäftigt, beginnt für beide eine zweite große Reise. In eigenwillig schönen Schleifen zieht sich diese autobiografische Begebenheit über fast 15 Jahre, bis der Knochen an seinen angestammten Platz zurückfindet.
Regie: die Autorin
Mit: Erika Hager, Robert Perger, Katharina Zobler, Pater Peter van Meijl und der Autorin
Musik: Karlheinz Essl, Martin Mallaun, Therapy u.a.
Ton: Jean Szymczak
Produktion: Autorenproduktion 2014
Länge: 48'14
Mit: Erika Hager, Robert Perger, Katharina Zobler, Pater Peter van Meijl und der Autorin
Musik: Karlheinz Essl, Martin Mallaun, Therapy u.a.
Ton: Jean Szymczak
Produktion: Autorenproduktion 2014
Länge: 48'14
Elisabeth R. Hager, geboren 1981 und aufgewachsen in Tirol, studierte 2000-2007 in Innsbruck, Aix-En-Provence und Berlin, arbeitete seit 2004 an Berliner Off-Theatern, seit 2007 als Journalistin und Autorin, seit 2010 als freie Mitarbeiterin in der Hörspielabteilung von Deutschlandradio Kultur. 2012 erschien ihr Romandebüt "Kometen".
Samstag, 14. Mai 2016
DER KNOCHEN - im Radio & online
DER KNOCHEN - Hörspiel
01.06.2016 | 21:30 Uhr
Deutschlandradio Kultur
Nach der Sendung 8 Wochen online!
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Der Knochen
Von Elisabeth R. Hager
- Elisabeth R. Hager / ©privat
Auf einer Klassenfahrt nach Wien lässt Elisabeth in der Michaelergruft einen Knochen unbemerkt in ihrem Rucksack verschwinden. Viele Jahre bleibt der Knochen unentdeckt.
Als Elisabeth sich als Erwachsene wieder mit ihm beschäftigt, beginnt für beide eine zweite große Reise. In eigenwillig schönen Schleifen zieht sich diese autobiografische Begebenheit über fast 15 Jahre, bis der Knochen an seinen angestammten Platz zurückfindet.
Regie: die Autorin
Mit: Erika Hager, Robert Perger, Katharina Zobler, Pater Peter van Meijl und der Autorin
Musik: Karlheinz Essl, Martin Mallaun, Therapy u.a.
Ton: Jean Szymczak
Produktion: Autorenproduktion 2014
Länge: 48'14
Mit: Erika Hager, Robert Perger, Katharina Zobler, Pater Peter van Meijl und der Autorin
Musik: Karlheinz Essl, Martin Mallaun, Therapy u.a.
Ton: Jean Szymczak
Produktion: Autorenproduktion 2014
Länge: 48'14
Elisabeth R. Hager, geboren 1981 und aufgewachsen in Tirol, studierte 2000-2007 in Innsbruck, Aix-En-Provence und Berlin, arbeitete seit 2004 an Berliner Off-Theatern, seit 2007 als Journalistin und Autorin, seit 2010 als freie Mitarbeiterin in der Hörspielabteilung von Deutschlandradio Kultur. 2012 erschien ihr Romandebüt "Kometen".
Donnerstag, 14. April 2016
*** 2. SPÄTI-Biennale ***
Liebe Freundinnen & Freunde
der SPÄTI-BIENNALE!
Im September geht diese großartige Veranstaltung in die zweite Runde:
SAVE THE DATE: *10.09.2016 *
in den Spätkaufshops um den Mariannenplatz!
& für alle, die beim letzten Mal nicht dabei waren, hier ein Artikel über die 1. SPÄTI-BIENNALE 2014.
Mittwoch, 24. Februar 2016
Der Tisch
von E.R. Hager
Es war einmal ein Tisch, auf dem trug
sich alles zu. Kinder wurden auf ihm gezeugt, Tiere getötet und
zerteilt, Speisen zubereitet und gegessen. Es wurde gefeiert und
geweint an ihm. Bald wurde er als Esstisch zu klein und diente fortan
den Kindern, die ihre Hausaufgaben an ihm machten. Immer wieder wurde
er verrückt, doch er gewöhnte sich schnell daran. Er wurde in einen
anderen Teil der Stadt gebracht, in eine neue Wohnung, dann in ein
Haus am Stadtrand. Er wurde von alternden Händen gebeizt, die ihn
von den Landkarten befreiten, die die Kinder auf ihm hinterlasse hatten. Die Kinder waren schon
groß und besuchten das Haus nur noch selten. Wenn sie kamen, dann im
Beisein neuer Kinder, ihrer eigenen. Als die Bewohner des Hauses
starben, erst der Mann, dann, Jahre später, die Frau, nahm
einer der Söhne den Tisch mit, lud ihn auf einen Pick Up und
fuhr damit in eine andere Stadt. Und wieder stand der Tisch zunächst
in einem Esszimmer und später, auch diese Kinder wurden älter, im
Zimmer der jüngsten Tochter. Sie malte und schrieb auf ihm, während ihr braunes langes Haar über die Tischplatte floss. Es war eine
große, goldene Zeit. Dann kam der nächste Wechsel. Das Mädchen, eine Frau jetzt,
trug ihn fort über die Grenzen des Landes. Das Holz ächzte unter der ungewohnten Hitze, doch was machte das schon. Die Frau war glücklich an diesem Ort, der Tisch hatte kein Gefühl. Eines nachts
brannte es im Haus. Das Feuer kroch unter der Tür hindurch in das Schlafzimmer der Frau und tanzte über alles und jeden, auch über die Frau,
auch über den Tisch. Die Frau überlebte das Feuer knapp. Ihre
Haut wuchs an Stellen nicht mehr nach. Ein Bein blieb für immer im
Feuer. Auch der Tisch hatte stark gelitten, bis auf eine der hinteren Ecken war er verkohlt. Die Frau, sentimental wie sie
war, hielt sich das verbliebene Tischbein ans Knie und humpelte damit
vor den Spiegel. Sie gefiel sich mit dieser kühnen
Narbe und ließ sich das Tischbein für den Zweck adjustieren. So
lernte der Tisch in seiner letzten Zeit das Laufen. Er sah
viele Regionen der Welt. Als die Frau Jahrzehnte später starb,
begrub man mit ihr auch das Tischbein, unweit des Waldes aus dem der
Urgroßvater das Holz für den Tisch eines Morgens mit der Motorsäge gesfräst hatte.
Samstag, 31. Oktober 2015
Montag, 19. Oktober 2015
Neues Lied der Liebe
Für Jens & Tatjana ...
von Elisabeth R. Hager
(in Anlehnung an einen Text des Autorenlkollektivs Matthäus, Markus, Lukas & Johannes)
von Elisabeth R. Hager
(in Anlehnung an einen Text des Autorenlkollektivs Matthäus, Markus, Lukas & Johannes)
Wenn
ich in den Sprachen der Menschen und Engel spräche,
wenn
ich polnisch könnte, c++ & Latein
hätte
aber die Liebe nicht,
wäre
ich dröhnendes Erz
oder
eine nervige Basedrum
&
wenn
ich prophetisch reden könnte
If
I had a dream every night of my life
Wenn
ich wüsste wo oben & unten ist
&
wie das scheiß Leben geht
Wenn
ich alles kennen würde,
-
jede Punkband, jede Primzahl, jeden Stern
Wenn
ich zwanzig Bausparverträge abgeschlossen hätte
&
fünfzig Cent für jeden Bettler auf der Welt
Wenn
ich mit einem Fingerschnipen
BERGE
versetzen könnte,
Wenn
ich all das hätte,
aber
die Liebe nicht,
es
wär' für'n Arsch
Wenn
ich meine ganze Habe verschenkte
mein
iphone, das Fahrrad, den Sturzhelm, die Jacht
Wenn
ich „vordenkapitalistischenAuswüchsenunsererGesellschaft“
in einen Ashram flöhe & mein Ego auszöge wie ein löchriges
Hemd
Wenn
ich allen Streit schlichten & jeden Schmerz lindern könnte
Wenn
ich keinen einzigen Fehler mehr besäße
hätte
aber die Liebe nicht,
es
nützte mir nichts.
Die
Liebe ist großzügig, die Liebe ist groß.
An
jedem Tag im Leben wirft sie ein Paket in deinen Schoß!
Manche
sind groß & schwer wie Steine, manche derb, manche Feine, manche
in winzige Tütchen gepackt, in Hutschachteln oder grobe Kisten, mit
Punkten darauf & Schleifchen darum, mit Bändern & Kordeln,
mit Maschen & Schnüren & Laschen in Taschen ...
&
was darin ist bestimmst du auch noch selbst!!
Also:
Schau rein! Sei mutig & schau rein! Mach die Augen auf &
schau einfach rein! Ja, jetzt! Jetzt & an jedem neuen Tag! Schau
rein! Komm schon! Schau rein! Darin
wirst du finden, was du suchst.
Du
sagst: Protect
me from what I want!
Ich
aber sage dir: Halt den Mund & schau einfach rein!
Mach
jeden Tag ein neues Päckchen auf & verschenke, was du darin
findest!
Schenke das, was du dir wünscht, jemandem anders & du wirst sehen: Die Liebe ist groß & weit
&
sie geht immer weiter.
Sie
hat keinen Rand. Sie kann alles, weiß alles
Sie
ist die eierlegende Wollmilchsau,
auf
der du immer reiten wolltest!
Okay,
sie ist nicht immer ein Rosengarten,
&
ja, sometimes: Love
is a battlefield
Aber
trotzdem: Sie prahlt nicht, sie post nicht,
Sie
schießt keine Selfies. Sie bläht sich nicht auf,
doch ist sie dehnbar, sie weitet sich aus
(kreisförmig
wie eine Supernova)
Die
Liebe ist nur selten wütend, Sie trägt das Böse nicht nach
Sie
schmeckt nach O-Saft, nach Zucker oder Schnaps,
nach
allem, wonach dir grade ist.
Mit
den Jahren wird sie haarig, wird sie leiser, wirft sie Falten &
wird alt, Manchmal wird sie um die Nase etwas blass. Morgens stinkt
sie häufig Aus dem Mund, aber hey, nach dem Zähneputzen ist sie
wieder da!
Die
Liebe ist vielleicht nicht immer fair,
aber
sie freut sich nicht über das Unrecht,
Sie
freut sich an der Wahrheit.
(Was
auch immer das ist)
Die
Liebe hat alles längst verstanden
Sie
erträgt alles, glaubt alles, hält allem stand
Sie
hofft alles, aber immer nur das beste
Die
Liebe ist eine Festung aus Gefühlen.
Sie
ist wie der Himmel, sie hat keinen Rand
Sie
ist in uns & um uns
&
über unsren Häuptern weht sie dahin
&
weht immer weiter
&
weiter
&
immer so weiter
&
immer so
fort
fort
Dienstag, 6. Oktober 2015
Weißes Ei
von Elisabeth R. Hager
Die Sonne stürzt sich einmal noch auf die
Straßencafés
Schmiert zartrosa Farbe auf die
Mädchenwangen
Ich habe mein Haus verlassen am ersten
warmen Tag
Bin gewandert in Richtung des
Güterbahnhofs
Jetzt sitz' ich hungrig unterm
Pausenbrotbaum
Zu schwach, aufzusammeln, was von der
Kindheit herüber weht
Nachbars Weide leiht mir mitleidig ihr Ohr
Verpiss dich!, sag ich, Dann werd' eben Winter!
Bei all der vorgegebenen Nahtlosigkeit
Sammelt sich Wundwasser in meinen Sollbruchstellen
Geborgen 1981
Aus dem Backstagebereich meines
Oberstübchens
Rollt von fern etwas heran,
Lokomotivgesicht
Noch aber häng' ich in der
Warteschleife
Noch aber irr' ich durch die
U-Bahnschächte
Mit Blicken entsaftend, was da ist
(Damenbärte, Monstranzen, verkohltes
Besteck )
Da seh' ich die eierstockfarbenen
Fliederbüsche,
& eine Zwischenbilanz schält sich heraus
Wunderlich, ein weißes Ei
Dienstag, 22. September 2015
Eine Mutter für die Schrauben im System?
Oder - Die Quadratur des schwangeren Bauches
Von Elisabeth R. Hager
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| Der Text ist soeben erschienen in DUM 75 |KINDER - Wann geht's los? |
Lange Jahre verband ich mit dem Wort MUTTER vor allem eine coole Berliner Rockband, nun aber kommt alles anders: Das Fleisch, aus dem ich gemacht bin, ist im Begriff, sich zu reproduzieren. In wenigen Wochen werde ich selbst Mutter sein. Dieser Gedanke löst seit Monaten alle nur möglichen Gefühle in mir aus. Nicht nur, aber auch und besonders: die Schönen.
Freitag, 18. September 2015
Warteschleife
Alles umwickelt eine Bandage aus Zeit
Stunden, Minuten, Wochentage, Jahre
In Kreisbewegung wickeln sie sich ab
Bis zum Ende irgendwann ...
Nur die Wurst hat zwei
Also los! Go, go & never surrender!
Spinne das Stroh deines Lebens zu Gold!
Durchschreite wie ein Feldherr deinen Tag!
Schmeiße den Blick zu den Sternen!
Blase den Staub von der Welt!
Jetzt, spätnachmittags aber,
Schau in die schwelende Glut
Sieh' wie sie zögernd sich erhebt
Scheu noch, doch mit schon
brennender Geduld
Montag, 6. Juli 2015
"DIE GRILLE und DIE AMEISE" bei 54stories
Große Freude!

Meine Sound- & Text-Komposition
"DIE GRILLE und DIE AMEISE" nach einer Fabel von Jean de La Fontaine wurde von 54stories zur Story der Woche gewählt!
Hier geht's zur Geschichte in Klang & Wort auf 54stories!
E N J O Y !!!
![]() |
| http://54stories.de/xlvi/ |
Freitag, 5. Juni 2015
TAGE @ St. Thomas Nachlese
Folgenden Text habe ich für TAGE @ St. Thomas geschrieben. Hier eine Nachlese.
Viel Spass!
Viel Spass!
Das
Abläuten der Zeit
Zum
Klangkunstprojekt TAGE in der St. Thomas Kirche
Von
Elisabeth R. Hager
Seit
ich vor Jahren an den Mariannenplatz gezogen bin, gibt es in meinem
Leben ein neues Geräusch. Es bimmelt in meinen Alltag hinein, es
hallt durch die Gänge meiner Ohren, es windet sich durch mein Gehirn
und klingt in steter Bemühung, die Zeit abzuläuten, in mir und um
mich herum. Die St. Thomas Kirche, meine rotwangige Nachbarin, ist
ein strahlend bauchiges Gemäuer, das einen grellbunten Park
überblickt. Kunstfelsenlandschaft at
it's best.
Und auch mit 150 Jahren auf dem Buckel und unzählbaren Stories in
den Fugen, ist sie eine Schönheit, deren Stimme weithin tönt.
In
Berlin, „wo die Leute aus Heimweh' hinziehn“1,
und besonders hier, im Herzen von Kreuzberg, kommt Ideologie im
Allgemeinen und Religion im Speziellen nicht gut an. Zu polyphon
für einen gemeinsamen Nenner tönt der Bewohner_innen-Chor. In allen
Sprachen, Stimmlagen und Tempi wird gesummt, gesungen und gegrölt;
In Kreuzberg wird noch immer laut geträumt, immer öfter allerdings
vom gro゚en
Geld, immer seltener – man verzeihe mir den Reim – von einer
besseren Welt. Doch selbst jetzt, da das Klingeln der Kassen und die
Abflüge der Start Up Raketen auch hier zu hören sind, ist die
Mischung noch immer ziemlich bunt. Und wenn ich am Sonntag Morgen aus
dem Rauschen der Welt die Kirchenglocken hör', klingt das anders als
das Geläut meiner Tiroler Katholikenkindheit: Weniger stolz, weniger
selbstgerecht, weniger fundamental. Diese Glocken dominieren den
akustischen Raum nicht, sie sind eine Stimme von vielen. Und das ist
der wichtigste Grund, warum ich sie gerne hör'.
Ja,
ich höre sie gern, aber: Wie oft hat mich das Gebimmel schon
genervt, wenn es am Abend davor spät geworden ist? Wenn ich lieber
weiterschlafen will? Wie oft hab' ich mir gewünscht, dass sie mich
verschonen mit ihrem zwanghaft fröhlichen Geläut? Als ich aber
letztens in der Thomaskirche war, um unser TAGE-Projekt
festzuklopfen, lag dort ein Faltblatt aus, indem man die Geschichte
der Kirche erfuhr. Im 1. Weltkrieg, so las ich, schmolz man ihre
Glocken ein und machte Munition daraus. Neun lange Jahre verstummten
sie ganz. Sie bimmelten nicht in die Tage der Menschen hinein, doch
trotzdem war ihr Schweigen beredt. Es markierte einen
Ausnahmezustand, der sich andernorts, an der Demarkationslinie von
Frieden und Krieg, im Geratter von Maschinenpistolen und in
Gewehrsalven entlud. Aus dem warm dröhnenden Bummm Bummm Bumm wurde
ein Mark und Bein, Knochen und Fleisch zerschneidendes
Rattattattattattatataaa. Die Idee, dass Glockenklänge zu Schüssen
werden können, beschäftigt mich seit dem Moment. Und seit ich weiß,
wie die Stille der Glocken zu lesen ist, bin ich froh über jedes
Gebimmel. Es läutet Frieden. Es läutet Normalität. Es läutet,
dass der Ausnahmezustand im Moment nicht eingetreten ist.
Vielleicht
liegt es an den Glocken, dass uns die Idee kam, unser
Klangkunstprojekt TAGE in dieser Kirche zu zeigen. Denn auch wir verkünden
die Zeit. Wir tragen sie in uns. Wir läuten sie ab, ganz ähnlich
den Glocken von St. Thomas. An jedem gelebten Tag sprechen wir das
Datum und zeichnen es auf. Und wenn wir einen Tag schweigen, ist
unser Schweigen viel weniger schlimm. (Bisher brachen keine Kriege
aus. Wir sind manchmal einfach nur vergesslich.) Dafür aber bleibt
unser Sprechen. Wir nehmen es auf und ziehen so eine Klangspur,
Datumsspur, Zeitspur hinter uns her, die uns jeden Tag daran
erinnert, dass unsere Stimmen nicht ewig klingen werden. So lange sie
aber klingen, so lange klingen sie deutlich.
Meine
rotwangige Nachbarin hat ein deutlich hörbares Organ. Und so oft sie
mich schon aus dem Schlaf gebimmelt hat, so oft erinnert mich ihr
Geläut daran, dass ich vor kurzem gekommen bin und dass ich bald
gehen werd' müssen. Dafür danke ich ihr.
TAGE
Lebenslanges Klangkunstprojekt
von
Elisabeth R. Hager & Neele Hülcker
Klanginstallation
in der Thomaskirche
04.06.2015
| 18:00 – 21:00 Uhr
20:00
Uhr: Artist Talk & Lesung
Eintritt:
Freiwillige Spenden für die von der Gemeinde betreuten Refugees
1Aus
dem Song „Evergreen“ von Blumfeld
Donnerstag, 14. Mai 2015
TAGE in St. Thomas
ein lebenslanges Klangkunstprojekt
von Elisabeth R. Hager & Neele Hülcker
In der Thomaskirche am Marianenplatz
Programm:
18:00 Uhr - Beginn Soundinstallation
20:00 Uhr - Artist Talk & Lesung mit Neele Hülcker & Elisabeth R. Hager
Eintritt: Freiwillige Spende für die von der Gemeinde betreuten Refugees
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