Posts mit dem Label Spoken Word werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Spoken Word werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 15. Februar 2017

Moderation & Publikumsgespräch bei Look & See

Am kommenden Freitag, 17.02., moderiere ich auf der 67. Berlinale den Film "Look and See" von Laura Dunn. 
Es geht darin um den großartigen Autor und Umweltschützer Berry Wendell & seine große Liebe: Die nachhaltige Landwirtschaft. Look and See! Im Anschluss Gespräch mit dem Produktionsteam!

©Laura Dunn

Donnerstag, 24. November 2016

Werkstattlesung im ORI Berlin am 01.12.2016

Illustration: Katrin Salentin
"Fremd"
Fremd: Fremdsein, Fremdheitsgefühle, Entfremdung, Verfremdung, Überfremdung, Fremdenhass, in die Fremde gehen, fremdgehen, sich fremd fühlen, sich fremd werden... Wir haben vier Autorinnen nach ihren Assoziationen zu dem schier unerschöpflichen Wortfeld befragt.

WANN: 01.12.2016 | 19:00 Uhr
WO: ORI Berlin | Friedelstr. 8 N#Kölln /BLN

Es lesen: 
Elisabeth R. Hager: Das Eigene in der Fremde
Werkstattlesung aus dem Romanprojekt "Fünf Tage im Mai"

Montag, 8. August 2016

Orgastartschuss Späti-Biennale

Programmheft Vorderseite ©Edition Edna

In knapp einem Monat ist es endlich soweit: Im Berliner Mariannenkiez steigt die 2. Auflage der SPÄTI BIENNALE, eines kleinen, feinen, von mir organisierten intermedialen Kulturfestivals in den Spätkaufshops rund um den Mariannenplatz. 

Derzeit kläre ich letzte Details im Line Up. Das endgültige Veranstaltungsprogramm wird nächste Woche bekanntgegeben! Ohhh... Vorfreude!


Programmheft Rückseite mit viel Platz für eure Notizen ©Edition Edna

Freitag, 11. Dezember 2015

Der gelbe Schal

Einakter für die Übergangszeit
von Elisabeth R. Hager


E: Es ist doch viel zu warm draußen.

Ella schaut den Mann mit dem Schal fragend an. Hinter der U-Bahnscheibe wird es dunkel. Obwohl es schon Herbst ist, sind die Temperaturen frühlingshaft. Auch jetzt noch, am frühen Abend, sind es über fünfzehn Grad.

E: Es ist total warm draußen und du trägst einen gelben Schal ...


Der angesprochene Mann steht wie ein verschlossener Schrank vor ihr.


E: Ich will wissen warum.


M: Mhmm?


E: Na der Schal! Der ist doch - wie gesagt - viel zu warm für einen Tag wie heute! Also sag schon, bist du ...?


M: (räuspert sich) Es ist eben mein Schal. Und bitte gehen Sie einen Schritt zur Seite, ich muss bei der nächsten Station raus.


E: Ich auch.


Ella grinst. Sie schweigen.


E: Is' doch komisch, dass wir die einzigen Leute im Abteil sind, oder?


M: Nein. Um diese Uhrzeit sind hier nie viele Leute unterwegs.


E: Ah... Sie kommen also öfter her?


M: Also bitte.


Die U-Bahn hält und spuckt Ella und den Mann mit dem gelben Schal auf einen menschenleeren Bahnsteig. Der Mann beeilt sich fortzukommen. Ella springt hinter ihm her.


E: Hey, wo willst du denn hin?


M: Was geht dich denn das an! Lass mich in Ruhe, du Kind!


E: Ich bin kein Kind, ich bin nur etwas kleiner als der Durchschnitt. Ich bin sechzehn, also, ich meine, nächste Woche, aber das ist jetzt egal. Ich rede mit dir, weil du den Schal anhast. Hab' ich sofort erkannt, dass du zu uns gehörst.


M: Zu uns?


E: Na, zum Netzwerk.


M: Zum Netzwerk?


E: Hey, du kannst mir vertrauen. (Sie zieht einen Schal, gelb wie der des Mannes, aus ihrer Tasche). Siehst du? Bleib locker, ich bin die Neue. Toll oder?


Der Mann blickt fassungslos auf den anderen Schal. Dann reisst er sich mit einem Ruck von der Szene los. Ella hält ihn am Ärmel fest.

E: Hey, krieg dich ein. Ist alles safe. Ich bin einfach nur die Neue. Ella, übrigens.


Er bäumt sich vor ihr auf.

M: Also, Ella. Ich weiß echt nicht, was das soll. Ich will deinen Schal nicht sehen und ich bin auch nicht Teil von irgendeinem Netzwerk. Ich bin ein unbescholtener Bürger, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.


E: Wohin denn?


M: Das geht dich überhaupt nichts an! Du bist einfach ein fremdes Mädchen, eine Passantin, eine Zeitgenossin in der U-Bahn.


E: Aha, "Genossin". Da haben wir es doch! Das ist jetzt so eine Art Test, oder? Ob ich mich abhalten lasse oder nicht. Es ist ein Test. (Sie klatscht in die Hände) Und ich hab' bestanden!


M: Ach du Scheiße, das ist kein Test ...


E: Ach, ich erkenn das an deiner Stimme! Der Boss wird sich freuen. So eine gute Kämpferin wie mich findet der nie wieder! Ich gewinne sogar gegen den Mann mit dem gelben Schal. Wie heißt du überhaupt?


Das Gesicht des Mannes erinnert gefährlich an einen Druckkochtopf. Er wird rot und röter. Dann platzt er.


M: Also gut. Ich heiße Fred. Und ich trage diesen Schal seit nunmehr zwanzig Jahren. Im Sommer und im Winter und in den Jahreszeiten dazwischen. Ohne den Schal gehe ich seit 2008 nicht mehr vor die Tür. Er beschützt mich vor den Mächten des Bösen. Ich wusste nicht, dass es irgendwo ein Netzwerk gibt, in dem gelbe Schals ein Erkennungszeichen sind. Damit habe ich nichts zu tun, obwohl es mich doch auch irgendwie freut. Ich hoffe jedenfalls, dass eure Schals auch so gut arbeiten wie meiner. Und, kann es deiner?


E: Was?


M: Na, na das weisst du doch! Sag schon! Kann es deiner auch?


E: Was soll er denn können? (Ella bekommt ein ängstliches Gesicht, flüstert) du Psycho?


M: Ha. Erst orgelst du mich voll und dann bringst du auf einmal kein Wort mehr heraus. Ich frage: Kann dein Schal fliegen?


Ella schaut ihn entsetzt an. 

M: Ist das denn zuviel gefragt? Ha? Kann er es? (Er schreit mittlerweile) Kann dein kleiner lausiger gelber Schal fliegen?

Ella läuft panisch davon.

M (ruft ihr nach): Meiner nämlich schon!



   

Montag, 19. Oktober 2015

Neues Lied der Liebe

Für Jens & Tatjana ...

                                                      von Elisabeth R. Hager 
(in Anlehnung an einen Text des Autorenlkollektivs Matthäus, Markus, Lukas & Johannes)

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel spräche,
wenn ich polnisch könnte, c++ & Latein
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich dröhnendes Erz
oder eine nervige Basedrum

& wenn ich prophetisch reden könnte
If I had a dream every night of my life
Wenn ich wüsste wo oben & unten ist
& wie das scheiß Leben geht
Wenn ich alles kennen würde,
- jede Punkband, jede Primzahl, jeden Stern
Wenn ich zwanzig Bausparverträge abgeschlossen hätte
& fünfzig Cent für jeden Bettler auf der Welt
Wenn ich mit einem Fingerschnipen
BERGE versetzen könnte,
Wenn ich all das hätte,
aber die Liebe nicht,
es wär' für'n Arsch

Wenn ich meine ganze Habe verschenkte
mein iphone, das Fahrrad, den Sturzhelm, die Jacht
Wenn ich „vordenkapitalistischenAuswüchsenunsererGesellschaft“ in einen Ashram flöhe & mein Ego auszöge wie ein löchriges Hemd
Wenn ich allen Streit schlichten & jeden Schmerz lindern könnte
Wenn ich keinen einzigen Fehler mehr besäße
hätte aber die Liebe nicht,
es nützte mir nichts.

Die Liebe ist großzügig, die Liebe ist groß.
An jedem Tag im Leben wirft sie ein Paket in deinen Schoß!
Manche sind groß & schwer wie Steine, manche derb, manche Feine, manche in winzige Tütchen gepackt, in Hutschachteln oder grobe Kisten, mit Punkten darauf & Schleifchen darum, mit Bändern & Kordeln, mit Maschen & Schnüren & Laschen in Taschen ...
& was darin ist bestimmst du auch noch selbst!!
Also: Schau rein! Sei mutig & schau rein! Mach die Augen auf & schau einfach rein! Ja, jetzt! Jetzt & an jedem neuen Tag! Schau rein! Komm schon! Schau rein! Darin wirst du finden, was du suchst.
Du sagst: Protect me from what I want!
Ich aber sage dir: Halt den Mund & schau einfach rein!
Mach jeden Tag ein neues Päckchen auf & verschenke, was du darin
findest! Schenke das, was du dir wünscht, jemandem anders & du wirst sehen: Die Liebe ist groß & weit
& sie geht immer weiter.
Sie hat keinen Rand. Sie kann alles, weiß alles
Sie ist die eierlegende Wollmilchsau,
auf der du immer reiten wolltest!

Okay, sie ist nicht immer ein Rosengarten,
& ja, sometimes: Love is a battlefield
Aber trotzdem: Sie prahlt nicht, sie post nicht,
Sie schießt keine Selfies. Sie bläht sich nicht auf,
doch ist sie dehnbar, sie weitet sich aus
(kreisförmig wie eine Supernova)

Die Liebe ist nur selten wütend, Sie trägt das Böse nicht nach
Sie schmeckt nach O-Saft, nach Zucker oder Schnaps,
nach allem, wonach dir grade ist.

Mit den Jahren wird sie haarig, wird sie leiser, wirft sie Falten & wird alt, Manchmal wird sie um die Nase etwas blass. Morgens stinkt sie häufig Aus dem Mund, aber hey, nach dem Zähneputzen ist sie wieder da!
Die Liebe ist vielleicht nicht immer fair,
aber sie freut sich nicht über das Unrecht,
Sie freut sich an der Wahrheit.
(Was auch immer das ist)

Die Liebe hat alles längst verstanden
Sie erträgt alles, glaubt alles, hält allem stand
Sie hofft alles, aber immer nur das beste
Die Liebe ist eine Festung aus Gefühlen.
Sie ist wie der Himmel, sie hat keinen Rand
Sie ist in uns & um uns
& über unsren Häuptern weht sie dahin
& weht immer weiter
& weiter
& immer so weiter
& immer so 
fort

    

Montag, 6. Juli 2015

"DIE GRILLE und DIE AMEISE" bei 54stories


Große Freude! 




Meine Sound- & Text-Komposition 
"DIE GRILLE und DIE AMEISE" nach einer Fabel von Jean de La Fontaine wurde von 54stories zur Story der Woche gewählt!
Hier geht's zur Geschichte in Klang & Wort auf 54stories! 

E N J O Y !!!


http://54stories.de/xlvi/



Freitag, 5. Juni 2015

GESTERN!

Schön war's gestern! TAGE @ Thomaskirche! 
Danke an alle Beteiligten! Hier ein paar Bilder von der Ruhe vor dem Sturm!




TAGE Aufbau Neele Hülcker




TAGE Aufbau Elisabeth R. Hager


TAGE Tattoos







Erweiterung der Installation durch das Projekt "12' sind ein Tag"








Gleich geht's los...! :-)







Die ersten Gäste beim Hören von "12' sind ein Tag"



TAGE Mitinitiatorin Neele Hülcker


Montag, 16. Februar 2015

# today





















Luis Camnitzer, This is a Mirror, You are a Written Sentence, 1966-68, 
vacuum-formed polystyrene mounted on synthetic board, 18 4/5 x 24 3/5 x ½ ". © Peter Schälchli, Zürich.



      

Donnerstag, 18. Dezember 2014

**** VERLÄNGERUNG! ****



TAGE IV geht in die VERLÄNGERUNG!


Am 28.12.2014 von 14-21h wird TAGE IV noch einmal in der Sound-Galerie ohrenhoch zu hören sein! Jipieeh!


Grafik: Knut Remond





Donnerstag, 2. Oktober 2014

Maria & der Bär


Was die Scheiße soll? Das frag' dich am besten selbst. Ich bin ein Bär, mein Kleid ist der Wald, die Freiheit, das Moos. Ich liebe das Unterholz, den feuchten Duft der Pilze im Herbst, bevor ich mich schlafen leg. Was das soll, willst du wissen? Und warum? Hat dir noch nie jemand die Fresse poliert? Oh, wie süß du schauen kannst! & guck mal, die Pfütze zwischen deinen hochhackigen Schuhen. Draußen ein Fürstchen, drinnen ein Würstchen, Kennst du diesen blöden Satz? Warum auch! Du feingliedriges Spinnentier, zerhauen werde ich dich.

Ich hatte da diesen Traum mit dir, so einfach ist das, diesen Traum. Also, da war so ein Fest, Ritterspiele oder so und ich sitz auf der Tribüne, mit den Egos vom Verein. Alle glotzen. Ich sitze da und denk' mir noch, scheiße, dass wird total öde. Doch dann seh' ich plötzlich dich. Wie du auf die Bühne torkelst. Ein Bärenkostum hast du an. Alle klatschen und ich denk' noch: Sieht das denn niemand? Das ist doch nur Papier! Das Fräulein fälllt doch um beim ersten Hauch! Sieht denn niemand, wie groß, wie klein du wirklich bist? Ich jedenfalls hab's geseh'n und vor Ärger hat's mich gewürgt. Aber gut, denk ich mir, dann sind das eben deine 15 minutes of fame


Stehst da also auf der Bühne, alle Scheinwerfer gerichtet auf dich. Ich frag mich: Was jetzt? Dann aber seh' ich, was jetzt: Ein Bär geht auf die Bühne, torkelt dick und schwer zu dir her. Ein Echter, schrei ich noch! Ich hab' dich gewarnt! Der Typ, ich meine, der Bär kommt näher und näher und näher und näher. Dann frisst er dich ratzeputz auf. Die Egos glotzen nicht mehr. Jetzt rennen alle durcheinander. Doch der Bär rennt ihnen nach und frisst sie alle, einen nach dem anderen, alle auf. Ein wenig tut's mir schon leid um dich, dein Kopf hat so hässlich geknackt. Dann sitz ich plötzlich alleine da. Der Bär kommt mit blutiger Schnauze. `Dann friss mich doch auch,` denk' ich noch. Stattdessen gibt er mir einen Kuss. 



         Der Text entstand beim WDR Hörspielforum 2014 in Köln | 

                In Kürze wird es ihn als Minihörspiel geben 

Freitag, 12. September 2014

SPÄTI-BIENNALE diesen Samstag (13.09.)

MORGEN ist es ENDLICH soweit!!!
Nach monatelanger Planung geht die SPÄTI-BIENNALE ab 18 Uhr über die Theken der Spätkaufs im Mariannenkiez! KOMMT in Scharen! Es wird schön!!!!





































Mit dabei Graffiti, Konzerte, Lesungen, Hörspiele, Videos & Kunst 
Von & mit: Kurt C. Hose, Tim Remfrey & Band, John Kamel Farah, Claire Horst, Yener Bayramoglu, Mansur Ajang, Fine Riebner, Tom.Mars, Lorenz Rollhäuser, Beate & Bernd Becker, Lydia Ziemke & Patras Bwansi, Julia Wolf, Serenad Yilmaz, Raffaele Donnabella, Paul Dombroski & mir.. :-D


++++ Die SPÄTI-BIENNALE solidarisiert sich ausdrücklich mit den Besetzer_innen der Thomaskirche am Mariannenplatz! ++++

 HIER das Programm auf einen Blick (bitte auf das Foto klicken):

Montag, 9. Juni 2014

Trampolissimo- Schreibworkshop 2014!


JETZT ANMELDEN:


Trampolissimo Schreibworkshop
"Von Hexen, Teufeln & zwitschernden Laptops"

Von 19.-21.08.2014 gebe ich in St. Johann in Tirol wieder einen Schreibworkshop für Kinder ab 7 Jahren! In diesem Jahr schreiben wir  unter dem Titel "Von Hexen, Teufeln & zwitschernden Laptops" neue Mythen für Tirol.
Zur Anmeldung geht's HIER

Greta Ritsch, Obfrau des Vereins "Trampolissimo" & ich
vor dem sagenumwobenen Wilden Kaiser















WANN: 19.-21.08.2014 | 9-12h
WO: ALTE GERBEREI  
Lederergasse 5
St. Johann in Tirol
WIE VIEL: 40€ (Eltern mit wenig Geld bezahlen nichts)


Samstag, 8. Februar 2014

Lasst mich Luft sein

Ein Mann liegt auf dem Schienenstrang,
die Reste eines Mannes
ein Mann liegt auf der Kreu-hu-zung,
drei Finger eines Mannes
schau, da macht einer den Schädel auf
schwarzer Schlamm quillt heraus

Wie soll man noch Gedichte machen können
(nach Ausschwitz keine Gedichte mehr
nach Guantanamo nicht mehr zu Mc Donalds)
lachend in den Weiden horcht das Tier
die Autobahn liegt still im Tal,
Grillen zirpen anderswo


Montag, 25. März 2013

tragedy <--> statistics




Ich habe dich Vogelsand streuen gesehen, gestern Abend auf der Wiese im Park. Du hast Vogelsand gestreut und mir das Märchen von dem Mädchen erzählt, das beim Anblick einer Statistik weinen musste. "Schwacher Charakter", hast du gesagt und weiter deinen Sand gerstreut in die Augen der wartenden Vögel und ein bisschen auch in meine. Ich hab nur beschämt genickt, ich hab dir zugehört. Dann hab ich mich langsam umgedreht und das Fliegengitter von den Bäumen geholt, mit dem wir doch Träume fischen wollten. Und ich habe traurige Tränen gelacht über das Mädchen mit ihrer Schwäche für Statistik.

Dann ist es dunkel geworden. Dann sind wir nach Hause gegangen. Dann sind wir ins Bett gegangen. Dann sind wir eingeschlafen ineinander irgendwann. Und am Morgen war die Stadt kein Häusermeer mehr, sie war licht und hell. Es war Tag. Und ich saß nicht länger als Möwe im Meer, ich saß als Möwe am Strand.




Samstag, 8. Dezember 2012

Glühwürmchenmann

Ich sitze am Fenster. Ich esse mein Frühstück. Da seh ich wieder deinen Arm. Wie er sich in dem verglasten Ausschnitt bewegt, dem Rechteck, in dem sich dein Leben zeigt. Der Winter scheint Dich nicht zu kratzen, dein Arm ist kräftig, bleich, behaart. Ein rotes T-Shirt bedeckt ein Viertel seiner Länge. Du blätterst in einer Zeitung, die ich auch manchmal lese, wahrscheinlich bist du sogar Abbonent, so selbstverständlich und beherzt ist dieses Blättern, man könnte meinen, die Zeit & was in ihr geschieht gehöre dir.

Dein Arm ist ein winkeliges Stück Natur in einer von Mauern und Fenstern umstellten Welt. Manchmal vergesse ich das, neulich hast du mich daran erinnert. Du hast im Sitzen gebügelt an diesem deinem Tisch, an dem sich ein Teil deines Lebens abspielt, soweit ich sehen kann, die stilleren Momente. Du hast also gebügelt, ein Hemd, eins, das man anzieht, um etwas zu verdecken. Ich hatte geschlafen, ich saß nun am Fenster, ich aß mein Frühstück, ich bemerkte deinen Arm, ganz anders gewinkelt als bisher. Dann aber sah ich auch dich, wie du dem Arm hinterher meine Welt betratst. Dein schwarzbehaarter Kopf, dein rundes Gesicht mit den Pandaaugen. Und unsere Blicke: Ein Glühen, das sofort erlischt.

Du hast tatsächlich dasselbe gemacht wie die Glühwürmchen in der Höhle in dem Naturparadies, wo ich unlängst war: Sie sahen so wunderschön aus, sie spielten den Himmel auf Erden bei Nacht. Sie funkelten aus tausend kleinen Lampen. Sie wurden mir sofort das Liebste auf der Welt. Doch kaum schaute ich richtig hin, kaum versuchte ich, sie WIRKLICH zu erfassen, nicht nur absichtslos zu seh'n, gingen sie aus.

Dein Arm zog zurück, ruckartig, voller Entsetzen. Du verschwandest in der Dunkelheit, Lichtjahre von mir entfernt. Was hab ich dir getan? Können nicht zwei durchs selbe Fenster sehen, ohne dass daraus eine Schießscharte wird? Und warum ist dein Arm jetzt wieder da? Hast du deine Angst vergessen? Hast du sie besiegt? Hast du dich damals beim Bügeln im Dunklen verbrannt?

Donnerstag, 29. Juli 2010

Gravity

Beschreibung meiner Performance für Avantgarden of Eden! Volume 3


I. Was bisher geschah
(Text aus dem Off)

(von Jean De La Fontaine)

Die Grille trällerte und sang
Den gan-zen lie-ben Sommer lang
Und fand sich plötzlich ganz beklom-men,
als der Nordwind war gekom-men:
im Haus war nicht ein Brösel-ein
Regenwurm und Fliegenbein
Hunger schreiend lief sie hin
Zur Ameis´, ihrer Nachbarin,
mit der Bitte, ihr zu geben
etwas Korn zum Weiterleben
nur bis nächstes Jahr:
Ich werde Euch zahlen, sprach sie gar,
noch vor Verfall, mein Grillenwort,
Hauptstock, Zinsen und so fort.
Die Ameis aber leiht nicht gern;
Sie krankt an übler Geizigkeit:
Was triebt Ihr denn zur Sommerzeit?
Fragt sie die Borgerin von fern.
Da war ich Tag und Nacht besetzt,
ich sang und hatte viel Applaus.
Gesungen habt Ihr? Ei der Daus,
Wohlan, so tanzet jetzt!



_____________________________TANZ_____________________________________
(ruckartige Bewegungen des Kopfes zu Breakbeats, ca. 30 Sekunden - Komposition: Deniz Dilek)




II. Schwerkraft
(Text: Elisabeth R. Hager)

„Wenn Chuck Norris badet, wird er nicht nass. Das Wasser wird Chuck Norris.“
Sagst Du und ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass ich einmal eine Grille war.
Es war einfach nicht die Jahreszeit für eine Revolution.
Und: ich mag dich ja wirklich.

*

Ich schiebe deinen Rollstuhl vor „unseren“ Eisladen und hole dir zwei Kugeln Schokolade und für mich Strachiatella und Haselnuss.
Der Mann hinterm Tresen kennt uns schon.
Er winkt dir durch die Glasscheibe des Ladens & - auch wenn es schon spät ist:
Die Sonne scheint.

Wir drehen eine Runde über den Winterfeldplatz & du erzählst mir von Chuck Norris.
In einer Bar krakeelt ein Mann mit violetter Perücke Lieder von Edith Piaf.
Wir überqueren an der Ampel die Straße.
Wir schlendern die stille Allee entlang.
Es ist nicht mehr weit.
Du lachst.
Ich lache auch.

*

Bei dir zu Hause brennt die ganze Nacht das Licht.
Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber jetzt geht es ganz gut.
Ich schlafe trotzdem fast immer kurz ein.
„Chuck Norris lässt immer in der Nacht das Licht an. Aber nicht, weil Chuck Norris Angst vor der Dunkelheit hat. Die Dunkelheit hat Angst vor Chuck Norris!“

Du magst am liebsten seine alten Filme:
Der Mann mit der Todeskralle,
BreakerBreaker- voll in Action & vor allem:
Chuck Norris- Private Lesson - Selbstverteidigung für Frauen.

*

Ich wasche dich, helf‘ dir beim Zähneputzen und schau darauf,
dass du deine Tabletten nicht vergisst.
Ich schiebe den Rolli ins Schlafzimmer, rüber zum Bett, dann hieve dich rein.
Wir verabschieden uns wie Freunde.
Das finde ich gut.
Ich gehe ins Wohnzimmer.
Dort überziehe ich dreimal die Woche die Couch mit einem beigen Laken.
Ich lege mich hin.
Meistens schlafe ich tief, bis du das erste Mal nach mir rufst, so gegen zwei.
Danach döse ich nur noch so rum.

*

Am Anfang habe ich, wenn ich nicht schlafen konnte,
Stilübungen gemacht & Tagebuch geschrieben.
Das hab ich dann aber irgendwann gelassen.

*

Morgens wachst du immer um sieben auf,
wie früher, als du noch arbeiten warst.
Morgens bist du meistens gut gelaunt.
Ich koche Kaffee hole Brötchen vom Bäcker an der Ecke.
Dann helfe ich dir aus dem Bett, wasch‘ dich und wir frühstücken.
Manchmal spielen wir noch was bevor ich gehe.
Um 8 30 kommt Vivi und übernimmt meine Schicht.

*

Bevor ich gehe, steck ich dir immer ein Knoppers zu, denn ich weiß
„Chuck Norris ist sein Knoppers schon um halb Neun!“

Freitag, 30. April 2010

Auf dem Herd

Auf dem Herd in der Ecke am Fenster stand ein metallener Topf,
dessen schief darauf sitzender Deckel sich
wie eine gewölbte Lippe in den Raum dehnte.
Eine kleine, bläuliche Kelle lugte
aus der Öffnung hervor wie eine Zunge,
die etwas Bitteres berührt hatte.
Das Licht spielte als heller Glanz
auf dem metallenen Topf auf dem Herd.

Über dem Topf auf dem Herd in der Ecke war Nichts.
Nichts war auf dem Boden.
Es gab keinen Raum.
Nur ein großes Nichts hielt den Topf auf dem Herd
wie ein Fragezeichen.
Bei genauerer Betrachtung stellte sich allerdings heraus,
dass es den Herd gar nicht gab.
Von einer Ecke oder einem Fenster ganz zu schweigen.
Das Haus, in dem der Topf auf dem Herd stand, gab es nicht.
Es gab keinen Garten und auch keinen kleinen,
mit Steinplatten ausgelegten Weg, der zur Straße führte.

Da war keine Straße.

Und die Straße, die es nicht gab, führte durch keinen Ort.
Und in diesem Ort, den es Nicht gab, lebte kein Mensch.
Kein Tier lebte dort und auch sonst NICHTS.

Irgendwo, so hieß es, sollte ein Ozean sein,
doch es gab nichts und niemanden, der das hätte bezeugen können.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Hansirondell

Hansi will nicht mehr Hansi sein & hackt sich das i aus dem Namen. Er schleudert es auf die Umlaufbahn. Dort findet es Freunde, dort pflanzt es sich fort & gründet einen Familienclan.

Hans hat seine Moonboots an & macht sich auf den Weg zu seiner Arbeit. Er ist Künstler in der Magnetenfabrik und schuftet sich schwielig die Hände. Er arbeitet hart als Künstler im Werk und locht mit dem Schraubenzieher Wände. Ein großer Künstler neben anderen Köpfen gießt er Wasser und Glut in ganz kleine Töpfe.

Hans' Sonne steht heute im dritten Haus, doch eigentlich liegt sie vielmehr; sie schläft noch und hat keine Lust ihm zu scheinen. Hans, nicht blöd, macht Taschenlampe an, weil die Sonne nicht für ihn strahlt. Dann geht er pfeifend in die Fabrik, wo er von seinen Künstlerkünsten prahlt.

Hans geht in der Pause aufs Marsfeld hinaus, da frisst ihn ein Wurmloch in sich rein. Als Künstler kann man doch überall sein, lacht er und reibt sich die Nase. Da fällt ihm ein Zahn aus dem Gebiss, ihm wird schlecht, es drückt ihm die Blase. Da beschließt Hans kein Künstler mehr zu sein und geht zum Abschied in den Laden. Er kauft sich dort keine Farben mehr, er hat sie satt, die blöden, die faden.

Hans will wieder Hansi sein und zieht sich seinen Raumanzug an. Er fliegt damit auf die Umlaufbahn und zieht sich sein fettes langes I wieder an.