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Samstag, 16. Juni 2018

Lesung am 23.06.18 um 19:30 Uhr im ORi in Neukölln

Berlinherzzzen! 



Am 23.06. lese ich ab 19:30 Uhr im Rahmen von 48h Neukölln im Kreise nicer Autor_innen im Ori in der Friedelstraße! 


Schaut vorbei & hört zu 
& hebt die Gläser mit uns! 
🍸📕🍸

Außerdem dabei: 
Anja Kümmel
Volker Kaminski
Elina Mikkilä
Mareen Bruns 
Johann Wiede




23.06.2018 | 19:30 Uhr
Friedelstr. 8


Donnerstag, 2. November 2017

Performance-Lesung auf deutsch & persisch - diesen Samstag!

Am Samstag ist es soweit! 

Um 20:30 Uhr mache ich mit der wunderbaren Maryam Palizban in der Bibliothek des ITI im Kunstquartier Bethanien eine deutsch-persische Performance-Lesung mit dem Titel: "Meine seltsame Beziehung zum Körper".

Lyrik & Kurz-Prosa von Maryam Palizban & Elisabeth R. Hager
Alle Texte liegen in deutscher & persischer Übersetzung aus!
Originalfoto: Sil Egger
Grafik: Mahmoodreza Nourbakhsh


WANN: 
04.11.2017 | 20:30 Uhr


WO: 
ITI/Mediathek
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

EINTRITT FREI







Mit freundlicher Unterstützung des QM Mariannenplatz

Donnerstag, 24. November 2016

Werkstattlesung im ORI Berlin am 01.12.2016

Illustration: Katrin Salentin
"Fremd"
Fremd: Fremdsein, Fremdheitsgefühle, Entfremdung, Verfremdung, Überfremdung, Fremdenhass, in die Fremde gehen, fremdgehen, sich fremd fühlen, sich fremd werden... Wir haben vier Autorinnen nach ihren Assoziationen zu dem schier unerschöpflichen Wortfeld befragt.

WANN: 01.12.2016 | 19:00 Uhr
WO: ORI Berlin | Friedelstr. 8 N#Kölln /BLN

Es lesen: 
Elisabeth R. Hager: Das Eigene in der Fremde
Werkstattlesung aus dem Romanprojekt "Fünf Tage im Mai"

Dienstag, 25. Oktober 2016

Martes Schmalz (Teil 1)

Hier als literarisches horsd'oeuvre der 1. Teil einer in Arbeit befindlichen Kurzgeschichte mit dem Titel "Martes Schmalz"...

Martin sah nur von außen aus wie ein Punk. Im Inneren regierte, wenn auch unter anderen Vorzeichen, die Ordnung. Er war ein Mann der Gewohnheit. Seit bald zwanzig Jahren arbeitete er bei jedem Wetter als Briefträger in Kreuzberg. Die Arbeit war hart, doch nicht ohne ihre kleinen Freuden und sie bescherte Marte, wie ihn seine Freunde nannten, freie Nachmittage ab 15 Uhr. 

Marte war ledig, gern mit sich allein und hatte sich komfortabel inmitten seiner Routinen eingerichtet. Vom Temperament einer trägen, friedlichen Katze nicht unählich, verabscheute Marte den Wechsel. Wenn er in seinem Bezirk einen Umzugswagen sah, was in letzter Zeit immer häufiger vorkam, blickte er beunruhigt zu Boden. Wenn sich die Namen auf den Klingelschildern änderten und neue Namen auf den Briefköpfen seines Zustellungsbezirkes auftauchten, konnte ihm das ganze Nachmittage verderben. Da Marte wusste, dass die Menschen das Chaos in sich tragen, hatte er vorgesorgt und das eigene Leben in unzählige sich wiederholende Abschnitte eingeteilt. 

Morgens vor der Arbeit las er die linksgerichtete tageszeitung oder vielmehr studierte er sie von der ersten bis zur letzten Seite. Dann fuhr er mit dem Fahrrad zum Postamt, wo er die vorsortierten Briefe für seinen Zustellungsbezirk abholte und auf das Dienstrad wechselte. Mittags aß er in der Kreuzberger Markthalle, abends kochte er selbst und trank dazu reichlich Sternburg Pilsner. Nur am Wochenende traf er sich ab und zu mit Gleichgesinnten in einer Fußballkneipe, um seiner Mannschaft Borussia Dortmund beizustehen.
Am Mittwoch kaufte er, meist kurz vor Ladenschluss, im Fischladen in der Adalbertstraße eine Handvoll Sprotten, die er sich in der Pfanne briet. Am Sonntag Abend schaute er wie alle anderen deutschsprachigen Mieter in seinem Haus, den Tatort und rauchte den einzigen Joint der Woche. Dann streckte er sich leicht benebelt auf seinem Bett aus und ließ die neue Woche kommen.

Obwohl er im Herzen ein Freidenker war, befolgte er auch bei der Körperpflege strenge Regeln. Jeden Morgen rasierte er sich mit derselben Gründlichkeit. Montag, Mittwoch und Freitag wurde geduscht, am Sonntag gönnte er sich ein Bad. Er putzte sich zweimal täglich die Zähne, wenn möglich drei Minuten lang. Jeden zweiten Sonntag schnitt er sich seine Nägel, jeden dritten Samstag, ehe er in die Kneipe ging, stutzte er sich seinen Irokesenhaarschnitt, rasierte sich die Seiten aus und säuberte seine Ohren.


Der Tag, an dem sich Martins Leben ändern sollte, war so ein Samstag. Wie immer am Wochenende trat er später als sonst aus dem nachtwarmen Zimmer in den kühleren Gang hinaus, ging die vier Schritte zum Badezimmer und erledigte seine Toilette. Das Geräusch der Haarschneidemaschine erinnerte an das Surren einer Katze. Marte liebte dieses Geräusch, das Wort „Erneuerung“ geisterte durch sein Hirn. Nach dem Rasieren der Seiten blickte er sich im Spiegel an. Ja, er sah nicht schlecht aus im Grunde. Das Radfahren und die viele Bewegung an der Luft hielt ihn auch in seinen Vierzigern schlank und bildete ein willkommenes Gegengift zum überdurchschnittlichen Bierkonsum, den er sich auch um den Preis eines stattlichen Bäuchleins nicht nehmen ließ. Zufrieden drehte er sein Spiegelbild nach rechts und links. Er klopfte sich die dunkelblonden Stoppeln vom Shirt und öffnete die rechte Schranktür seines Aliberts, wo er sich ein Wattestäbchen aus einer kleinen Plastikbox fischte und es zufrieden in seinem rechten Ohr versenkte. Einmal linksherum, einmal rechtsherum, behutsam darauf bedacht, die zarte Apparatur des Innenohrs nicht zu beschädigen. Ein seltsames Gefühl von Vollständigkeit überkam ihn, während das Ohrenstäbchen tief in der Körperöffnung steckte, aber auch ein Gefühl als würde er von innen heraus abgehört.

Als sein Blick beim Herausziehen das Wattestäbchen streifte, stutzte er. Statt des üblichen gelblich orangefarbenen Ohrenschmalzes klebte da eine Masse, die Marte noch nie gesehen hatte. Mhmm. Sie war, ja, anders konnte man es kaum sagen, sie golden. Er führte das Stäbchen zur Nase, roch daran, schreckte angeekelt zurück. Das Zeug roch wie Ohrenschmalz. Auch von der Konsistenz her wirkte es so, nur die Farbe, dieser wunderschöne, majestätische Ton verlieh der seltsamen Schmiere auf dem Stäbchen den Nimbus des Erhabenen. 

Ungläubig steckte Martin das unbenützte Ende des Stäbchens ins Ohr zurück und drehte nun etwas weniger vorsichtig darin herum. Als er es herauszog war da wieder dieses Strahlen. Was war ihm da nur ins Ohr gekommen? Er konnte sich nicht erinnert, goldene Farbe abbekommen zu haben. Er griff sich ein neues Stäbchen aus dem Schrank und stieß es aufgeregt ins Ohr. Der Schmerz fuhr vom Ohr quer durch den Kiefer bis zum Hals. Als er das Stäbchen aus dem Ohr fischte, klebte darauf ein goldenes Körnchen. Er steckte ein Stäbchen ins andere Ohr und siehe da, auch in diesem Ohr hatte das Schmalz die königliche Farbe. So ein Quark dachte er und rieb sich das schmerzende Ohr. So ein Quark!

Verwirrt verließ er das Badezimmer.


to be continued... 

Montag, 26. September 2016

2. SPÄTI Biennale - Bilder & Kritik von Regine Schütz

Spät, aber doch, kommt hier ein Nachtrag zur wunderbaren 2.SPÄTI BIENNALE! Es war ein glorreicher Abend im Mariannenkiez!!! Die Menschen! Ihre Werke! Das Wetter! Die Braukunst & natürlich die großartigen Späti Betreiber_innen... DANKE an alle Beteiligten & die vielen Gäste! 

Hier der Link zu einem Bericht von Regine Schütz: "KUNST FÜR ZU SPÄTI GEKOMMENE..." & einige Bilder:

Vor dem Video-Späti ©Regine Schütz

Langsam wird es voll... ©Regine Schütz

TAGE von Elisabeth R. Hager & Neele Hülcker im Klangkunst-Späti
in der Waldemarstraße ©Regine Schütz

Konzert-Späti Wrangelstr. 5 ©Regine Schütz

Die "Waterbabies" in concert ©Regine Schütz

Im Späti ©Regine Schütz

Open Air Lesung mit Valentin Moritz, Saskia Trebing & Hannes Köhler
auf dem Mariannenplatz ©Regine Schütz

Kunst-Späti mit Bildern von Elke Vogl &
Hörspielen von Fides Schopp und Claire Horst ©Regine Schütz

Samstag, 17. September 2016

Performance-Lesung mit Maryam Palizban (auf persisch & deutsch)

Poster & Flyer: Nazanin Shivaei
"Meine seltsame Beziehung zur Religion"
Performative Lesung in deutsch &persisch, Lyrik & Prosa
von & mit:
Elisabeth R. Hager & Maryam Palizban
24. September 2016
20 Uhr
شعر خوانی و رمان خوانی
به دو زبان فارسی و آلمانی
الیزابت ر. هاگنر
مریم پالیزبان

Religion, ein Wort, das wir aus unterschiedlichen Quellen kennen und das uns unbewusst und ohne unsere Erlaubnis beeinflusst und beschäftigt. Unser Glauben oder Nicht-Glauben hat vielleicht ursprünglich nichts mit der Religion zu tun. Was uns mit Religion in Verbindung gebracht hat, waren unsere Taten. Als wir gegessen, geschlafen und einfach gelebt haben, war Religion immer dabei. Religion war immer anwesend, auch in den Momenten, in denen die wir dachten dass niemand außer uns da war!


Für diese Performance-Lesung lese ich einen Auszug aus meinem aktuellen Romanprojekt "5 Tage im Mai". &: Alle Texte liegen in persischer Übersetzung aus! Juhuuuu!

Sonntag, 28. August 2016

Das Programm der 2.SPÄTI BIENNALE ist da!

Knapp zwei Wochen noch, dann geht die 2. SPÄTI BIENNALE rund um den Kreuzberger Mariannenplatz über die Bühne! & hier das gesamte Programm auf einen Blick! Juhuu!


Dienstag, 16. August 2016

Montag, 8. August 2016

Orgastartschuss Späti-Biennale

Programmheft Vorderseite ©Edition Edna

In knapp einem Monat ist es endlich soweit: Im Berliner Mariannenkiez steigt die 2. Auflage der SPÄTI BIENNALE, eines kleinen, feinen, von mir organisierten intermedialen Kulturfestivals in den Spätkaufshops rund um den Mariannenplatz. 

Derzeit kläre ich letzte Details im Line Up. Das endgültige Veranstaltungsprogramm wird nächste Woche bekanntgegeben! Ohhh... Vorfreude!


Programmheft Rückseite mit viel Platz für eure Notizen ©Edition Edna

Mittwoch, 13. Juli 2016

Lesung "Best of Queer-Literature" im Archiv der Jugendkulturen


*** 15.07.2016 - 19:30 Uhr ***

 LESUNG 

Best of Queer-Literature

Gemeinsam mit der großartigen Autorin und Journalistin 
Tania Witte  lese ich aus meinen queeren Lieblingsbüchern! EINTRITT FREI!


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Freitag, 24. Juni 2016

Lesung bei 48h Neukölln: Wir haben (es) SATT!

Cover: Katrin Salentin

Kleines Literaturfestival im ORi- 

15 Poeten empören sich


"Etwas satt zu haben ist die simpelste, privateste Form vom Wunsch nach Veränderung. Daraus, und vor allem im Sprechen und Schreiben darüber, erwachsen soziokulturelle Impulse, die unsere Gegenwart prägen.


Etwas satt zu haben ist die Keimzelle einer Idee von einer anderen Zukunft und außerdem das Gefühl, mit dem jede Emanzipation beginnt, und das ist eine der grundlegendsten Motivationen von Literatur. Der politische impuls - im persönlichen wie im öffentlichen Raum - Position zu beziehen und Zustände zu beschreiben, die man verändern will. 


Etwas satt zu haben und darüber zu schreiben birgt ein großes Potential an Bewegung (im metaphorischen und im tatsächlichen Sinn). In einem literarischen Protest liegt also nicht nur die destruktive und hauptsächlich deskriptive Kraft von Wut und Ablehnung, sondern auch die konstruktive Kraft, neue Ideen möglich zu machen und Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft zu übernehmen. 

Das Potential der Bewegung und der Veränderung realisiert sich in dem Moment, in dem man sich das Satthaben aktiv aneignet. Und nichts anderes tut man, wenn man darüber schreibt."

Es lesen:
12.00 Clemens Schittko und Lars-Arvid Brischke

13.00 Elisabeth R. Hager, Philip Meinhold

14.00 Hermann J. Ooster und Katrin Heinau

15.00 Zeitschriftenschau: STILL-Magazine (Birgit Kreipe, Alexander Kappe)

16.00 SACHEN MIT WÖRTERN (Pega Mund, Robert Klages)

17.00 Buchpremiere Bianca Döring "Flieg mein elektrischer Fisch" (Prosa)


Donnerstag, 9. Juni 2016

Trampolissimo Schreibwerkstatt 2016: Jetzt Plätze reservieren!



Die Zeit, es hält sie niemand auf.

Datum: 22. August 2016
Uhrzeit: 9:00 - 12:00 Uhr
Schreibwerkstatt für junge Menschen ab 8 Jahren mit der Autorin Elisabeth R. Hager
Montag, 22. bis Mittwoch, 24. August 2016
jeweils von 9:00 bis 12:00 Uhr

Präsentation: Mittwoch, 24. August, 11:00 Uhr
In der diesjährigen Trampolissimo Schreibwerkstatt gehen wir schreibend einem Phänomen auf den Grund, das ungreifbar ist und uns doch ständig umgibt: der ZEIT. Sie rast, sie rinnt, sie kriecht, sie springt. Sie dreht sich im Kreis und bleibt stehen. Wie vergeht Zeit in einem Text? Wie macht man sie sichtbar? Wie hält man sie an? In der Schreibwerkstatt gehen die TeilnehmerInnen mit der Schriftstellerin Elisabeth R. Hager auf Zeitreise, in die Zukunft, die Vergangenheit und bis hinein ins Jetzt.
Bitte mitbringen: Jause, Schreibzeug und Spaß beim Schreiben und Lesen!

Ermäßigt: 45 €
Vollpreis: 45 €

Dienstag, 12. April 2016

& the winners are....


Mehr als 50 Jugendliche haben sich am ersten Schreibworkshop "Jugend liest" der Arge Wirkwerk in St. Johann in Tirol beteiligt! Wow...! 

Die Fülle großartiger Texteinreichungen machte den Juror_innen die Auswahl der Siegertexte derart schwer, dass in meinem Schreib-Workshop in der kommenden Woche nun gleich elf Jugendliche zeigen werden, was sie können! Ich freue mich SEHR!



Alte Gerberei ©Muku.at

     


Die öffentliche Lesung der Siegertexte 
findet am 22.04.2016 um 18:00 Uhr in der Alten Gerberei in St. Johann in Tirol statt. 
EINTRITT FREI!

Freitag, 1. April 2016

Der Einsendeschluss naht!

Mitschreiben bis zum 04.04.16!
© Fotolia
Schreibwettbewerb für Tiroler Schüler_innen zwischen 12-14 Jahren!  

Bitte gerne weitersagen!
Nähere Infos HIER.

Dienstag, 15. März 2016

SCHREIBWETTBEWERB für junge Autor_innen

Aufruf zum Mitschreiben!
© Fotolia

Die Arge Wirkwerk in St. Johann in Tirol schreibt einen Schreibwettbewerb aus für Schüler_innen zwischen 12-14 Jahren! 


Zu gewinnen gibt's einen Schreibworkshop mit mir & eine Lesung Mitte April in der Alten Gerberei in St. Johann in Tirol! 

Bitte gerne weitersagen!
Nähere Infos HIER.

Montag, 6. Juli 2015

"DIE GRILLE und DIE AMEISE" bei 54stories


Große Freude! 




Meine Sound- & Text-Komposition 
"DIE GRILLE und DIE AMEISE" nach einer Fabel von Jean de La Fontaine wurde von 54stories zur Story der Woche gewählt!
Hier geht's zur Geschichte in Klang & Wort auf 54stories! 

E N J O Y !!!


http://54stories.de/xlvi/



Freitag, 5. Juni 2015

TAGE @ St. Thomas Nachlese


Folgenden Text habe ich für TAGE @ St. Thomas geschrieben. Hier eine Nachlese. 
Viel Spass!


Das Abläuten der Zeit
Zum Klangkunstprojekt TAGE in der St. Thomas Kirche

                                            Von Elisabeth R. Hager


Seit ich vor Jahren an den Mariannenplatz gezogen bin, gibt es in meinem Leben ein neues Geräusch. Es bimmelt in meinen Alltag hinein, es hallt durch die Gänge meiner Ohren, es windet sich durch mein Gehirn und klingt in steter Bemühung, die Zeit abzuläuten, in mir und um mich herum. Die St. Thomas Kirche, meine rotwangige Nachbarin, ist ein strahlend bauchiges Gemäuer, das einen grellbunten Park überblickt. Kunstfelsenlandschaft at it's best. Und auch mit 150 Jahren auf dem Buckel und unzählbaren Stories in den Fugen, ist sie eine Schönheit, deren Stimme weithin tönt.

In Berlin, „wo die Leute aus Heimweh' hinziehn“1, und besonders hier, im Herzen von Kreuzberg, kommt Ideologie im Allgemeinen und Religion im Speziellen nicht gut an. Zu polyphon für einen gemeinsamen Nenner tönt der Bewohner_innen-Chor. In allen Sprachen, Stimmlagen und Tempi wird gesummt, gesungen und gegrölt; In Kreuzberg wird noch immer laut geträumt, immer öfter allerdings vom gro゚en Geld, immer seltener – man verzeihe mir den Reim – von einer besseren Welt. Doch selbst jetzt, da das Klingeln der Kassen und die Abflüge der Start Up Raketen auch hier zu hören sind, ist die Mischung noch immer ziemlich bunt. Und wenn ich am Sonntag Morgen aus dem Rauschen der Welt die Kirchenglocken hör', klingt das anders als das Geläut meiner Tiroler Katholikenkindheit: Weniger stolz, weniger selbstgerecht, weniger fundamental. Diese Glocken dominieren den akustischen Raum nicht, sie sind eine Stimme von vielen. Und das ist der wichtigste Grund, warum ich sie gerne hör'.

Ja, ich höre sie gern, aber: Wie oft hat mich das Gebimmel schon genervt, wenn es am Abend davor spät geworden ist? Wenn ich lieber weiterschlafen will? Wie oft hab' ich mir gewünscht, dass sie mich verschonen mit ihrem zwanghaft fröhlichen Geläut? Als ich aber letztens in der Thomaskirche war, um unser TAGE-Projekt festzuklopfen, lag dort ein Faltblatt aus, indem man die Geschichte der Kirche erfuhr. Im 1. Weltkrieg, so las ich, schmolz man ihre Glocken ein und machte Munition daraus. Neun lange Jahre verstummten sie ganz. Sie bimmelten nicht in die Tage der Menschen hinein, doch trotzdem war ihr Schweigen beredt. Es markierte einen Ausnahmezustand, der sich andernorts, an der Demarkationslinie von Frieden und Krieg, im Geratter von Maschinenpistolen und in Gewehrsalven entlud. Aus dem warm dröhnenden Bummm Bummm Bumm wurde ein Mark und Bein, Knochen und Fleisch zerschneidendes Rattattattattattatataaa. Die Idee, dass Glockenklänge zu Schüssen werden können, beschäftigt mich seit dem Moment. Und seit ich weiß, wie die Stille der Glocken zu lesen ist, bin ich froh über jedes Gebimmel. Es läutet Frieden. Es läutet Normalität. Es läutet, dass der Ausnahmezustand im Moment nicht eingetreten ist.

Vielleicht liegt es an den Glocken, dass uns die Idee kam, unser Klangkunstprojekt TAGE in dieser Kirche zu zeigen. Denn auch wir verkünden die Zeit. Wir tragen sie in uns. Wir läuten sie ab, ganz ähnlich den Glocken von St. Thomas. An jedem gelebten Tag sprechen wir das Datum und zeichnen es auf. Und wenn wir einen Tag schweigen, ist unser Schweigen viel weniger schlimm. (Bisher brachen keine Kriege aus. Wir sind manchmal einfach nur vergesslich.) Dafür aber bleibt unser Sprechen. Wir nehmen es auf und ziehen so eine Klangspur, Datumsspur, Zeitspur hinter uns her, die uns jeden Tag daran erinnert, dass unsere Stimmen nicht ewig klingen werden. So lange sie aber klingen, so lange klingen sie deutlich.

Meine rotwangige Nachbarin hat ein deutlich hörbares Organ. Und so oft sie mich schon aus dem Schlaf gebimmelt hat, so oft erinnert mich ihr Geläut daran, dass ich vor kurzem gekommen bin und dass ich bald gehen werd' müssen. Dafür danke ich ihr.

TAGE
Lebenslanges Klangkunstprojekt
von Elisabeth R. Hager & Neele Hülcker

Klanginstallation in der Thomaskirche
04.06.2015 | 18:00 – 21:00 Uhr
20:00 Uhr: Artist Talk & Lesung

Eintritt: Freiwillige Spenden für die von der Gemeinde betreuten Refugees


1Aus dem Song „Evergreen“ von Blumfeld

GESTERN!

Schön war's gestern! TAGE @ Thomaskirche! 
Danke an alle Beteiligten! Hier ein paar Bilder von der Ruhe vor dem Sturm!




TAGE Aufbau Neele Hülcker




TAGE Aufbau Elisabeth R. Hager


TAGE Tattoos







Erweiterung der Installation durch das Projekt "12' sind ein Tag"








Gleich geht's los...! :-)







Die ersten Gäste beim Hören von "12' sind ein Tag"



TAGE Mitinitiatorin Neele Hülcker